Die wilden Zwanziger feiern ein kleines und elegantes Comeback. Ein Rolls-Royce Cabriolet erlebt die Verwandlung in einen zackigen Zweisitzer mit Speziallack und reichlich Handwerk an Bord. Zeit für den Frühling.

Viel haben sie uns nicht mitgebracht. Zeichnungen, drei stimmungsvolle Plakate als Ideengeber für den ersten Trip mit einem Dawn, der kein Dawn mehr ist. Allein der Name spricht im Grunde nicht die Sprache Goodwoods. Da ist das Silver als Vorname, nach dem Seraph nicht mehr verwendet. Der Dawn ist natürlich noch an Bord. Als Technikgeber, als Karosserie-Lieferant. Nun eben mit dem Minus der beiden hinten Sitze. Wobei es ja sein kann, dass man die Luftführungs-Hutzen hinter den Vordersitzen abnehmen kann. Dann sind wieder vier Menschen an der frischen Luft. Wir wissen es nicht.

Roadster schwimmen im Trend durch die Sommerluft. Die 50er grüßen sportlich aus den Geschichtsbüchern. Damals rannten sie über Rennstrecken. Zweisitzer ohne Verdeck, teils auch ohne Frontscheibe. Die ganz harte Tour. Nun erleben sie auf der Straße ein Comeback. Ferrari Monza, McLaren Elva, Aston Martin V12 Speedster, Bentley Mulliner Bacalar. Alles Kleinstserien, alles sauteuer, alles sehr spektakulär und dem großen Trend nach lautloser Mobilität mit Steckdose entgegen wirkend. Unter V8 läuft da nichts. Und der Silver Bullet hat gleich ein Dutzend Zylinder unter der Haube.

In Goodwood hat man nicht die 50er beschworen, was auch irgendwie eher lustig geworden wäre. Motorsport mit der Dame auf dem Tempel, das wäre nicht fein, nicht elegant genug. Die Zwanziger werden erwähnt. Frivol, Lust-geladen, immer einen Tick verschwenderisch und auch ignorant. Art Déco, Swing, Schlager, Blues und Sorgenfalten aus dem Gesicht tanzen. Dazu dann dieser Rolls-Royce, in dem man zu zweit den Trip hinunter an die Côte d’Azur geniesst, dem Alltag in Bielefeld, Wuppertal oder Düsseldorf entfliehen.

Die Zeichnungen zeigen den Wagen als silbern-schimmernde Skulptur. Durch die beiden Hauben hinter den Vordersitzen verändert der Wagen natürlich seine Silhouette, aus dem Cabriolet wird ein Roadster, eine deutlich sportlichere Gestalt. Ab wann man den Wagen bestellen kann, wieviele Exemplare in Deutschland angeboten werden und wie tief die Taschen für den Kauf des Silver Bullet sein müssen, wissen wir nicht.

Ein Tipp: Falls der Concorso D´Eléganza am Comer See vom 22. bis 24. Mai stattfindet, wird dieser spezielle Rolls-Royce sicher in natura zu bewundern sein.

Text: Ralf Bernert
Zeichnungen: Rolls-Royce Motorcars