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Begegnung mit dem Rolls-Royce Ghost

Zum ersten Mal auf freier Wildbahn: der neue Geist aus Goodwood
Rolls-Royce Ghost

Los Angeles/Newport Beach, 18.02.2010

Mehr als zwölf Stunden Flug, eine einstündige Passage im Phantom und die Reisetasche findet ihren Platz. Man befreit sich vom Winter in Deutschland und öffnet die Sinne für den kalifornischen Frühsommer. 25 Grad und die Sonne scheint das Hotel mit Energie überfluten zu wollen. Die Seele saugt und der Körper ignoriert neun Stunden, die während der Atlantiküberquerung auf der Strecke geblieben sind.

Der Lohn: Eine kurze aber intensive Liaison mit einem neuen Mitglied des Hauses Rolls-Royce.

Der Geist von Newport Beach
Rolls-Royce Ghost

Strandspaziergang. Ein Kaffee im Pappbecher, ein winziges Croissant und der Schlüssel zum Ghost gegenüber. Es soll schlimmere Tage im Leben eines Menschen geben, sagt zumindest der Volksmund. Abgesehen von zwei Tauben scheint sich niemand für den Briten in Claret-Rot zu interessieren. In Los Angeles und einige Meilen drumherum ist die Dichte an den Schöpfungen aus Goodwood sehr hoch, Enthusiasten der Marke Rolls-Royce leben gerne hier. Der Ghost und ich werden später erfahren, woran das liegt.

Waftability oder die Leichtigkeit des Fahrens

Spirit of Ectasy beim Sonnenbad
Rolls-Royce Ghost

Ganz Gentlemen, stellen wir die äußeren Attribute des Ghost zunächst dezent in den Hintergrund. Das Wesen oder den Kern wollen wir erkunden. Zunächst gemach im ruhigen Fluß des Hinterlandes, später ein wenig agiler und mit Druck auf präpariertem Geläuf. Die Normen des Staates Kalifornien verbieten eine eher südeuropäische Form des Fortbewegung. Cruisen nennt man das hier und wer öfter in diesem Sonnenstaat unterwegs ist, wird bestätigen, dass ein hohes Maß an Sonnenenergie dem Gemüt nahezu jede hektische Regung abgewöhnt. Ein Rolls-Royce könnte glatt als Kalifornier durchgehen.

Das Interieur des Ghost...
Rolls-Royce Ghost
...ist einladend und aufgeräumt.
Rolls-Royce Ghost

Im Beipackzettel des Ghost lesen wir von acht Gängen, die nicht manuell aufgerufen werden können, dennoch der Limousine in jeder erdenklichen Fahrsituation die angemessene Drehzahl und auch Kraft zur Verfügung stellen. Unser recht anständig ausgeprägtes Gespür für Gangwechsel bestätigt die anfangs als mutig bewertete Aussage eines Technikers: "Sie werden keinen Gangwechsel spüren." Recht hat der Mann. Und wir erinnern uns an die Bemerkung eines Phantom I Besitzers: "Wozu mehrere Gänge? Hauptsache das Drehmoment stimmt."

Schon Tradition: der Regenschirm in der Tür
Rolls-Royce Ghost
Jackettablage im Kofferraum
Rolls-Royce Ghost

Die rechte Hand hat also Pause, die Augen beobachten die Spirit of Ecstasy, welche mit stoischer Ruhe die rechte Straßenseite in zwei gerechte Hälften teilt.

Der einstündige Ausflug bietet sich für kleine Erkundungen der Ausrüstung des Ghost durch den Sozius an.

- Fahrspurassistent: on bord
- Nachtsichthilfe: on bord
- rundum Parksensorik: on bord
- Regenschirm in Fahrertür: on bord
- Jacketablage im Kofferraum: on bord
- beeindruckend großes Schiebedach: on bord
- drei (!!) CD-Spieler zum gleichzeitigen Abspielen: on bord
- unterschiedliche Einstellmöglichkeiten des Fahrwerkes und der Fahreigenschaften: fehlt, ist aber verzichtbar - die Erklärung folgt weiter unten.

Das Handbch verschwindet wieder im Handschuhfach, das HeadUp-Display befiehlt "bitte rechts abbiegen". Es kündigt sich ein eher unüblicher Ort für einen Rolls-Royce an. Ein ehemaliger Militärflughafen mit Start- und Landebahn inklusive Hangar der kurzfristig in eine Garage mit Buffet umfunktioniert wurde. Pause.

Das Herz des Ghost: 6,6 Liter V12-Turbomotor
Rolls-Royce Ghost

Wir rücken dem Ghost auf die Pelle, sprich seine sportlichen oder besser dynamischen Talente sind gefragt. Ein versierter Testfahrer schickt uns zwischen die Pylonen, erst dreißig Meilen pro Stunde, dann vierzig und als Dessert darf der Fuß bis Tempo sechzig auf dem Gas stehen bleiben. Der Ghost bleibt standhaft. Kein Wanken oder Zucken. Wir sind beeindruckt und lächeln im Geiste über eine A-Klasse. Vor dem Highspeed-Ritt galoppieren wir noch kurz durch einen Kurven-Parcours, bei Tempo 100 würde vielleicht ein Passagier im Fond leicht nervös werden, auf den vorderen Sitzen machen sich motorsportliche Ambitionen bemerkbar. "Der Ghost ist kein Performance-Auto." Helmut Riedl, Chefentwickler bei Rolls-Royce, hat uns diese Erkenntnis mit auf den Weg gegeben. Aber Spaß macht's trotzdem.

Der Ghost ist auch auf holprigem Grund sehr souverän unterwegs.
Rolls-Royce Ghost

Noch ein paar Worte zum Thema "Niveauregulierung" oder weniger kryptisch "Einstellungen des Fahrwerkes" und der "Motorsteuerung". Der Ghost verzichtet auf "sport", "sport +", "komfort" oder ähnliche Programmpunkte. Helmut Riedl begründet den Verzicht mit einem Wort: "Simplicity". Der Ghost sei dank seiner Performance und seiner kompletten Motor- und auch Fahrwerkscharakteristik auch ohne Fahrprogramme für nahezu jede Situation bestens gerüstet. Auf Rennstrecken oder in Extrem-Gelände wird der Rolls-Royce kaum zu finden sein. Wir erfahren auf einer sehr holprigen Straße wie exzellent das Fahrwerk nahezu jede Unebenheit ausgleicht.

Die sportlichen Talente des Ghost haben wir dann auf der Startbahn genossen:

An der "Power Reserve" erkennt man, ob der Motor läuft oder nicht.
Rolls-Royce Ghost

Bei Tempo 200 km/h eine Durchsage: "Stellen Sie sich bitte vor, vor Ihnen taucht ein Hindernis auf, Sie müssen ausweichen." Die Masse von 2.400 Kilo strebt nach einer heftigen Bewegung am Volant aus der Bahn, um sofort per Elektronik wieder auf den rechten Weg gebracht zu werden. Ruhiger und souveräner haben wir das bisher noch nie erlebt. Der Ghost läuft sauber und zielstrebig auf das Ende der Startbahn zu, das Manöver auf dem Airfield endet mit einem doppelten Espresso.

Unser Fazit zu diesem Thema: Man muss den Ghost schon arg fordern, um ihn an die Grenzen und darüber hinaus zu führen.

Hotel und Gespräche, ein Designer, ein Techniker und Kollegen. Während die blaue Stunde nur dreißig Minuten dauert, werden Gläser gefüllt und wieder entleert. Dazwischen erklärt uns Interieur-Designer Alan Sheppard, dass der Ghost nicht nur dynamische Akzente setzt. "Wir haben den Innenraum ganz im Stile eines Rolls-Royce eingerichtet; wenn sich die Türen schließen, werden Sie von der Außenwelt nicht mehr viel spüren. Auch wenn die enorme Motorleistung zunächst einen anderen Eindruck vermittelt, werden durch die verarbeiteten Materialien und die Formgebung keine Zweifel an dem luxuriösen und komfortablen Ambiente deutlich." Wir können das bestätigen. Das Cockpit mag auf den ersten Blick ein wenig dem des 7er BMW ähneln. Ein genauer Augenschein macht aber zahlreiche Unterschiede deutlich. Unsere zahlreichen Fotos belegt dies.

Fototermin und ein Ausflug ins Büro

Der Tag kann nicht schöner beginnen: der Rolls-Royce Ghost erwartet uns.
Rolls-Royce Ghost

Morgens um acht, wenn die Sonne dem Objektiv noch nicht zu sehr auf die Pelle rückt, schlägt die Stunde des Fotografen. Der gesamte Wagen und Details, die den Charakter des Ghost unterstreichen, können in aller Ruhe ins Visier genommen werden.

Das sind die Bilder, von denen...
Rolls-Royce Ghost
...jeder Autofotograf träumt.
Rolls-Royce Ghost

Vor dem Rückflug drücken wir noch einmal den Startknopf. Gute 70 Meilen wollen wir an diesem Morgen fahren, oder besser den Berufsverkehr um ein ganz besonderes Automobil bereichern. Zwischen Bürolimousinen aus Stuttgart, Detroiter Massenblech und Zuffenhausener Zweisitzraketen swingen wir recht sportlich und nicht zu kommod am Pazifik vorbei. Das Dutzend Zylinder hören wir nicht, kleine Sprints an der Ampel mögen nicht Rolls-Royce-like sein, werden aber gerne wiederholt. 570 Pferde und 780 Newtonmeter Kraft locken selbst den stoischsten Mensch manchmal aus dem Panzer der Selbstbeherrschung. Auch das hat man in Goodwood sehr geschickt entwickelt. Wenn der Chef mit dem Ghost ins Büro fährt, ist er immer besonders gut gelaunt.

Was nehmen wir mit?

Der Ghost ist ein guter Bekannter, ein Rolls-Royce, den wir in den letzten Monaten oft trafen. In Berlin unter potenziellen Käufern, in LA als Highlight einer exklusiven Party. Jedesmal begleitet von dem Satz: "Das ist also der kleine Rolls-Royce, das Einstiegsmodell!" Kenner der Marke protestieren mal lauter und manchmal kaum hörbar, denn ein "Einstiegsmodell" hat es bei Rolls-Royce eigentlich nie gegeben. Daran ändert sich auch mit dem Ghost nichts.

Dem neuen Rolls-Royce steht eine andere Aufgabe zu. Er rückt das Produktgefüge des britischen Herstellers wieder gerade. Der Phantom als Repräsentationsfahrzeug, das schon immer eine herausragende Position in der Welt der Automobile einnahm. Ihm zur Seite steht der Ghost als das Autombobil der obersten Kategorie für zahlreiche Liebhaber und Enthusiasten, die den Genuß der Waftability möglichst hautnah spüren und geniessen wollen.

Der Rolls-Royce Ghost in weichem Abendlicht (Werksfoto RRMC)
Rolls-Royce Ghost

Für Statistiker hier noch einige Daten und Fakten zu unserem Testfahrzeug:

- Außenfarbe: Claret Rot
- Innenfarbe: Consort Rot
- Motor: 6,6 Liter Turbo-V12/48 Ventile
- Leistung: 420 kW/570 PS
- Drehmoment: 780 Nm ab 1.500 U/min
- Fahrleistungen: 4,9 s bis 100 km/; 250 km/h abgeregelt
- Verbrauch: 13,6 l/100 km (mix)
- CO2: 317 g/km
- Maße: 5399 x 1948 x 1550 (L/B/H)
- Radstand: 3295
- Kofferraum: 490 Liter
- Tank: 82,5 Liter

Und abschließend noch eine kleine Fotogalerie mit schönen Details:

 

Text & Fotos:  Ralf Bernert, Exclusive Life 

 

 

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