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Total verschneit - die erste Begegnung mit dem Rolls-Royce Phantom Extended Wheel Base (EWB)

In Genf hatte er seine Europapremiere, und seit April 2006 steht der Rolls-Royce Phantom EWB (Extended Wheel Base) bei den Händlern. Rolls-Royce Motor Cars stellte dem RREC kurzfristig einen Vorführwagen zur Verfügung, um ihn jetzt schon, brandaktuell, in dem folgendem Bericht vorstellen zu können:

Wir haben Freitag, den 17. März, und es ist noch nicht einmal eine Woche her, dass der Autosalon in Genf seine Tore geschlossen hat. Trotzdem habe ich heute schon die Gelegenheit, den langen Phantom oder wie er in Firmenkreisen heißt, den "idabblyubi", näher kennen zu lernen und ein paar Fotos zu schießen. Um 16.00 Uhr - es schneit seit einer halben Stunde - biegt er um die Kurve - groß, schwarz, majestätisch. Vor dem Gebäude, in dem sich mein Büro befindet, kommt er zum stehen. Mir bleibt die Luft weg. So riesig und beeindruckend hatte ich ihn mir wahrlich nicht vorgestellt. Was für ein Auto!  

Es ist der Wagen mit der Fahrgestellnummer UX00767, außen schwarz, innen Moccasin, mit Walnussholz. Die eingebaute optionale Ausstattung umfasst  u.a. Vorhänge hinten, ein Lenkrad mit Holzspeichen, Controller in der hinteren Mittelarmlehne für Entertainment, Telefon und Navigation (seit einiger Zeit auch in der  Lounge-Konfiguration erhältlich) sowie als Bespokefeature, ein in die Kopfstützen eingenähtes "RR".

Walnuss, das bei klassischen Rolls-Royce am meisten verwendete Holz
Wie man es von einem großen Rolls-Royce erwartet: das großzügige Passagierabteil

Am Steuer sitzt ein junger Mann, aus Hamburg stammend, Student der Betriebswirtschaftslehre und derzeit Praktikant im Münchner Büro von Rolls-Royce Motor Cars. Ein Autofreak, der privat das Gegenteil des vor mir stehenden Wagens fährt: einen Fiat 850 Spider.

Ich öffne die lange hintere, tresorähnliche Tür und trete ein. Dann nehme ich Platz in dem schwarzen Ungetüm. Hat man im "kurzen" Phantom schon reichlich Platz im Fond, so kann man die Verhältnisse dort in diesem Wagen als geradezu verschwenderisch bezeichnen. Die Verlängerung von 25 cm kommt nämlich ausschließlich den hinteren Passagieren zugute. Ob es allerdings zu einer klassischen siebensitzigen Touring Limousine reichen würde, müsste ein Vergleich zeigen zwischen dem Phantom EWB mit Trennwand und einem Phantom V mit James Young Karosserie, Design PV22.

Rolls-Royce Phantom V Touring Limousine, James Young Design PV22

Das Zeug zum reinen Chauffeurfahrzeug jedenfalls hat er, und mit dieser Eigenschaft ist er zum echten Nachfolger aller Rolls-Royce Phantom geworden. Der große Unterschied ist nur, dass es dem Fahrer im EWB wesentlich besser geht als in der Vergangenheit. Die Sitze sind - auch mit Trennwand - großzügig verstellbar und sehr bequem. Vorbei sind die Zeiten der großen Sitzbank, die keinen Seitenhalt bietet und ein reiner Arbeitsplatz war, den man gerne einer anderen Person, dem Chauffeur, überließ. Dass der EWB genauso leicht zu bedienen ist, wie der "Standard-Phantom", ist natürlich selbstverständlich - und er fährt sich genauso sanft und geschmeidig und fühlt sich so leichtfüßig an, dass man erst aussteigen muss um zu begreifen, welch gigantischen Wagen man da bewegt.

Auf der hinteren Sitzbank allerdings blieb alles im Grunde beim Alten - zum Glück. Abgesehen von modernen elektronischen Features ist alles so, wie man es von einem großen Rolls-Royce erwartet: flauschige Teppiche, Platz in Hülle und Fülle und Polster, wie sie bequemer nicht sein können. Da kommt selbst bei mir, der sich jederzeit um den Fahrerplatz im Phantom prügeln könnte, zunächst nicht der Wunsch auf, selbst zu fahren. Stattdessen lehne ich mich genüsslich zurück und genieße. Draußen schneit es inzwischen stärker, doch das macht den Fond nur noch behaglicher, und ich überlege, vielleicht die Vorhänge zu schließen.

Der Phantom EWB vor dem Nationaltheater
Deutlich ist die gestreckte Linie zu erkennen

Mein Chauffeur, der noch nicht sehr lange in München weilt, drückt den Startknopf, und so beginnt für ihn eine willkommene Sightseeingtour.

Schon nach wenigen Metern fällt dem Phantom-gewöhnten Passagier, zumindest subjektiv auf, dass der EWB in Sachen Geräuschentwicklung fast die Quadratur des Kreises darstellt, denn mit ihm scheint der nahezu geräuschlose Phantom noch leiser geworden zu sein. Wie leise mag er für die Fahrgäste sein, wenn diese noch durch eine Trennwand vom Chauffeurgetrennt sind?
Die Straßen sind nass, und trotz des freitäglichen Berufsverkehrs auf dem Altstadtring herrscht im Innern des Wagens eine gespenstische Ruhe. Das muss man erlebt haben, denn es ist einfach unglaublich!

Wir biegen in die Maximilianstrasse ein, Münchens nobelste Einkaufsstrasse, wo einst Rudolf Moshammer sein Modegeschäft hatte und an deren Ende unser erster Fotostandpunkt sein soll, das Nationaltheater. Für mich geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung. Als Schüler war ich oft dort, um nach Rolls-Royce Ausschau zu halten. Dieses Mal aber fahre ich selbst in einem solchen Wagen durch diese Gegend. Fahren? Nein - schweben!

Es schneit und schneit. Ein Jammer um die Bilder, denn der schwarze Lack des Wagens bildet einen "exzellenten" Helligkeitskontrast zu den Schneeflocken. Na ja, Winterfotos mit Rolls-Royce hat man ja auch nicht immer. Außerdem macht es Spaß, aus einiger Entfernung die Reaktionen der Passanten zu beobachten:
So mancher Autofahrer fährt in Schrittgeschwindigkeit vorbei oder bleibt gar stehen. Beifahrer setzen sich fast auf den Schoß des Fahrers, um den EWB besser betrachten zu können. Am meisten begeistert sind jedoch einige Japaner, die sich gegenseitig vor dem Wagen fotografieren. Alle freuen sich, wir auch.
Kein Neid, keine bösen Blicke, jeder ist zutiefst beeindruckt von dem Erscheinungsbild dieses Wagens, der wie geschaffen ist für einen Auftritt vor dem Nationaltheater und von allen Passanten, mit denen wir sprechen, als Rolls-Royce verstanden wird. Die gestreckte Linie des Wagens tut dem Design des Phantoms sehr gut. Er wirkt dadurch noch harmonischer und viel eleganter.

Als Krönung des Nachmittags sollen noch einige Bilder vor Schloss Nymphenburg entstehen. Doch auch hier spielt das Wetter leider nicht mit, wie geplant. Dafür darf ich mich selbst nach Hause fahren. Wie sich der EWB fährt, habe ich eingangs schon erwähnt - einfach unglaublich leicht und entspannend, trotz der enormen Ausmaße.

Das Schloss Nymphenburg bildet eine standesgemässe Kulisse für den Rolls-Royce Phantom EWB

Ob der Rolls-Royce Phantom EWB in Europa ein ähnlicher Erfolg wird wie im Mittleren Osten und dem asiatisch pazifischen Raum bleibt abzuwarten. Rolls-Royce Motor Cars kalkulierte nämlich im letzten Jahr vorsichtig mit lediglich fünf Fahrzeugen. Tatsächlich wurden aber 35 Stück ausgeliefert. Um auf den Europäischen Markt zurückzukommen: das Genfer Exponat wurde vom Stand weg verkauft!

Somit bleibt Rolls-Royce Motor Cars viel Erfolg zu wünschen und zu hoffen, dass der Genfer Automobilsalon, als geglückte Generalprobe für den EWB, ein gutes Omen ist.

Ach ja, da wäre noch der Preis für den, der ihn sich eines Tages gönnen möchte: ab € 379.000,-- netto!

 

Wir danken der Firma Rolls-Royce Motor Cars für die freundliche Unterstützung.

 

Text & Fotos:  Michael Ehrhardt

 

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18.09.2017: 

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