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Die Historie der Marke Bentley

Walter Owen Bentley (1888-1971)
Walter Owen Bentley

Die Nennung der Initialen "W. O." genügen in der Regel, um bei Enthusiasten ein erwartungsvolles Flimmern in die Augen zu zaubern, denn handelt es sich doch um jenen Mann, der heute noch so bekannt ist wie zu seiner Zeit als genialer und grandioser Automobilpionier. Sein Name ist untrennbar mit hochwertigen, reinrassigen Renn- und Sportwagen verbunden und im Gespräch fällt natürlich sehr bald das Wort Le Mans, wo sich die Bentleyboys bei vielen 24-Stunden-Rennen u.a. mit den Fahrern von Mercedes-Benz hinreißende Duelle lieferten und wenigstens fünfmal den Siegespokal mit auf die Insel nehmen konnten.

W.O. wurde 1888 als letztes von 9 Kindern in London geboren. Die spätviktorianische Familie war begütert und so genoss der junge W.O. eine glückliche Kindheit, in der er sich frei entfalten konnte. Als technisch interessierter und auch versierter junger Mann verdingte er sich mit 16 Jahren als Lehrling bei den Doncaster Lokomotivwerken, die zur Gruppe der Great Northern Railway gehörte. Während der folgenden drei Jahre entdeckte er dort nach und nach seine Fähigkeiten als Ingenieur. Seinen Kindheitstraum erfüllte er sich 1909, als er sich, zeitlich begrenzt, als Heizer auf einer Expresszug-Lokomotive verdingte.

Mit 18 Jahren entdeckte der junge W. O. seine Leidenschaft für Motorräder und legte sich im Laufe der Zeit wechselnde Fabrikate zu und es ist berichtet, dass er bei seiner ersten Teilnahme an der Zuverlässigkeitsfahrt des Motor Cycling Club, die von London nach Edinburgh führte, trotz vieler Pannen gar die Goldmedaille gewann. Diese bescheidenen Anfangserfolge begründeten bei W.O. eine lebenslange Begeisterung für den Motorsport.

Bentley 3 Liter
Bentley 3 Liter
Bentley 6 1/2 Liter
Bentley 6 1/2 Liter

Ähnlich der Geschichte der Herren Charles Stewart Rolls und Henry Royce, die ebenfalls zunächst französische Automobile importierten, um sie von Grund auf zu verbessern und zuverlässiger zu machen, gründeten die Gebrüder Bentley 1912 eine Agentur für französische D.F.P. Autos und nannten die Firma Bentley & Bentley. Ihr Ziel war es, durch Überarbeitung und Leistungssteigerung die D.F.P. Autos u.a. für den Rennsport tauglich zu machen und gaben dem ersten Modell die Typenbezeichnung 12/15. Schon bald gab es einen Nachfolger, den Typ 12/40 Speed, mit dem auf der Isle of Man und der Rennstrecke von Brooklands gute Erfolge erzielt werden konnten. Geheimnis des Erfolgs war, dass man den Motoren eine Weltnovität einpflanzte, die W.O. ersonnen hatte, nämlich Aluminium-Kolben. Diese Autos brachten den Gebrüdern Bentley sowohl wirtschaftlichen, als auch sportlichen Erfolg bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, der ihr Geschäft abrupt, jedoch zeitlich begrenzt, zum Erliegen brachte. W.O. absolvierte seinen Wehrdienst als Pilot bei der RAF. Was wunder, hatte er doch zuvor Flugzeug-Sternmotoren konstruiert, die zu den besten der Zeit gehörten. 1919 begannen in Teamwork die Arbeiten am ersten reinrassigen W.O.-Sportwagen mit einem 3-Liter-Vierzylinder Motor, Leichtmetallkolben, obenliegender Nockenwelle, Doppelzündung und 4 Ventilen pro Zylinder, eine für die damalige Zeit revolutionäre Technik. Teamwork insofern, als sich W.O. der Mitarbeit von Frank Burgess für seine Chassis versichert hatte, der zuvor für das Design bei Humber tätig war. Bereits zu Beginn des Jahres 1920 konnten erste Testläufe mit diesem Fahrzeug, das die Bezeichnung EXP 1 erhielt, unternommen werden.

In den Folgejahren entstanden weitere Motorvarianten mit 6-Zylinder Triebwerken und variierenden Chassislängen, um dem Verlangen nach mehr Leistung und besserem handling gerecht zu werden. Das brachte W.O. international das scherzhafte Kompliment ein, die schnellsten Lastwagen der Welt zu bauen.

Bentley 4 1/2 Liter Le Mans
Bentley 4 1/2 Liter Le Mans
Bentley 8 Liter
Bentley 8 Liter

Die von W.O. konzipierten und gebauten Bentley-Typen waren in der Reihenfolge:
 

Bentley 3 Liter
1919-1929
 
Bentley 6 1/2 Liter
1926-1930
 
Bentley 4 1/2 Liter
1929-1931
 
Bentley 4 1/2 Liter mit Kompressor
1929-1931 

Bentley 8 Liter
1930-1931
 
Bentley 4 Liter
1931

Der Vorschlag des Rennfahrers Tim Birkin an W.O., den zwischen 1929 und 1931 gebauten Bentley 4 1/2 Liter mit einem Kompressor zu versehen, führte zum Bruch mit W.O., da dieser darin eine Perversion seines Motorenkonzeptes sah. Birkin hatte den Vorschlag aus der Erkenntnis heraus gemacht, dass auch der Erzrivale Mercedes-Benz bei den Rennen in Le Mans mit Kompressormodellen antrat, die den reinen Saugern von W.O. in Beschleunigung und Endgeschwindigkeit überlegen zu werden drohten. Aus der Ablehnung von W.O. heraus machte sich Tim Birkin mit eigenen Mitteln und selbst ans Werk und versah den 4 1/2 Liter mit einem Kompressor, der beim ersten Rennen in Le Mans mangels Stehvermögens des Kompressors ausfiel, im Folgejahr jedoch bereits gegen die Konkurrenz von Mercedes-Benz obsiegte. Da Birkin sein gesamtes Geld, das seines Vaters, der eine Fabrik für textile Spitze betrieb und das einer spendablen Freundin in die Entwicklung gesteckt hatte, waren alle am Ende mittellos und Birkin verdingte sich als Rennfahrer bei Alfa Romeo.

W.O. ging es im Schicksalsjahr 1931 auch nicht besser, denn alles Geld war durch die Entwicklung neuer Konzepte, u.a. ein - zuvor abgelehntes - Kompressormodell auf Basis des 4 1/2 Liter und nicht zuletzt aufgrund der Rennleidenschaft, die mehr Geld verschlang als durch Verkäufe erwirtschaftet werden konnte, verbraucht.

Bentley 4 1/2 Liter Blower, gefolgt von Bentley 4 1/2 Liter (Mille Miglia 1999)
Bentley 4 1/2 Liter Blower und Bentley 4 1/2 Liter

Die sportlichen Erfolge von W.O. Bentleys Fahrzeugen bei nationalen und internationalen Veranstaltungen, aber auch die finanzielle Misere war der Direktionsetage von Rolls-Royce nicht verborgen geblieben und so kam es nicht ungelegen, dass man 1931 die sportliche Marke Bentley der Marke Rolls-Royce angliedern konnte, zumal man im eigenen Hause kein sportliches Fahrzeug vorzuweisen hatte, ein solches aber gerne im Programm haben wollte.

Damit war der Weg für den ersten unter dem Patronat von Rolls-Royce gebauten Bentley, den 3 1/2 Liter frei, der den Beinamen "The Silent Sports Car" erhielt. Da die Neuerwerbung natürlich mit einem Rolls-Royce Triebwerk ausgerüstet sein musste, griff man kurzerhand ins Regal, nahm den Motor des laufenden Modells 20/25, bestückte ihn mit SU Doppelvergasern, erhöhte die Kompression moderat und pflanzte das Aggregat in das Chassis des 20/25 ein. Als Option wurde vom Werk für The Silent Sports Car ein sogenannter "cut-out" angeboten, eine Vorrichtung, mit der man außerhalb der Stadt per Hebel den ersten Schalldämpfer außer Funktion setzen konnte, wodurch das Auto einen knackigen sound erhielt. Die eckige Form des Rolls-Royce-Kühlers wurde abgerundet und statt der Spirit of Ecstasy zierte fortan ein geflügeltes "B" die Front der Neuerscheinung. Dass sich der Zuerwerb der Marke Bentley für Rolls-Royce sehr lukrativ gestaltete, zeigt die Aufstellung der bis in die neuere Gegenwart gebauten Modelle:

Bentley 3 1/2 Liter
Bentley 3 1/2 Liter James Young Drophead Coupé
Bentley 4 1/4 Liter
Bentley 4 1/4 Liter Park Ward Drophead Coupé
Bentley Mk VI
Bentley Mk VI Standard Steel Saloon
Bentley R Continental
Bentley R-Type Continental H.J. Mulliner Fastback Saloon
Bentley S1/S2 Standard Saloon
Bentley S1/S2 Standard Saloon
Bentley S1 Continental
Bentley S1 Continental Park Ward Coupé
Bentley S3 Standard Saloon
Bentley S3 Standard Saloon
Bentley S3 Continental
Bentley S3 Continental James Young Six Light Saloon
Bentley T
Bentley T diverse Bauserien
Bentley Turbo R
Bentley Turbo R
Bentley Azure
Bentley Azure
Bentley Arnage
Bentley Arnage
Bentley Continental R "Le Mans"
Bentley Continental R 'Le Mans'

Bentley  3 1/2 Liter
1933-1936

Bentley  4 1/4 Liter
1936-1939

Bentley Mark V
1939

Bentley Mark VI
1946-1952

Bentley R
1952-1955

Bentley R Continental
1952-1955

Bentley S1, Standardversion
1955-1959

Bentley S1 long wheelbase
1957-1959

Bentley S1 Continental
1955-1959

Bentley S2, Standardversion
1959-1962

Bentley S2 long wheelbase
1960-1961

Bentley S2 Continental
1959-1962

Bentley S3, Standardversion
1962-1965

Bentley S3 long wheelbase
1962-1965

Bentley S3 Continental
1962-1965

Bentley T1, Standardversion
1965-1977

Bentley Corniche, Coupé
1971-1982

Bentley Corniche, Cabriolet
1971-1984

Bentley Camargue
1985

Bentley T2, Standardversion
1977-1980

Bentley Mulsanne, Standardversion
1980-1987

Bentley Mulsanne L Limousine
1984-1988

Bentley Mulsanne Turbo
1982-1985

Bentley Eight
1984-1992

Bentley Continental
1984-1994

Bentley Continental Turbo
1992-1995

Bentley Turbo R, Standardversion
1985-1994

Bentley Mulsanne S
1987-1992

Bentley Continental R
ab 1991

Bentley Brooklands
1992-1997

Bentley Turbo S
1994-1995

Bentley Continental S
1994-1995

New Bentley Turbo R (einschl. Turbo R Sport)
1994-1997

New Bentley Turbo R
1994-1997

Bentley Azure
1995-2002

Bentley Continental T
ab 1996

Bentley Brooklands R 
1997-1998

Bentley Brooklands R Mulliner
1997-1998

Bentley Turbo RT
1997-1998

Bentley Arnage Green Label
1998-2000

Bentley Continental SC   
1998-2000

Bentley Continental SC Mulliner
1999-2000

Bentley Continental R Mulliner
1999-2003

Bentley Azure Mulliner
1999-2003

Bentley Continental T Mulliner
ab 1999

Bentley Arnage Red Label
1999-2002

Bentley Arnage Le Mans Series  
ab 2001

Bentley Continental R Le Mans Series
ab 2001

Wenngleich das Schicksal von W.O. jeden Bentleyboy traurig stimmen muss, so war die Übernahme durch Rolls-Royce im Jahre 1931 doch die einzige Überlebenschance für die Marke Bentley bis auf den heutigen Tag, nunmehr unter dem solventen Patronat von Volkswagen.

Technische Daten und weitere historische Fakten zu den einzelnen Typen finden Sie auf der Homepage des Buchautors Klaus-Josef Roßfeldt unter http://www.rrab.de/.

 

Text: Claus Goldberg

Fotos: Michael Ehrhardt 

 

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