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Rolls-Royce Phantom - eine fotografische Designanalyse

Nach wie vor ist der Rolls-Royce Phantom ein Fahrzeug, über das rege diskutiert wird, wo immer es zu sehen ist. Wie bei revolutionären Rolls-Royce Neuentwicklungen üblich, so hat auch der aktuelle Phantom bei seinem Erscheinen die doch recht konservative Fangemeinde jäh erschüttert und in zwei Lager gespalten.

So passierte es auch seiner Zeit bei der Neuvorstellung des Rolls-Royce Phantom III, anno 1936. Gegenüber dem Vorgänger Phantom II war beim zwölfzylindrigen Phantom III der Kühler vor der Vorderachse angebracht, was die Gesamtproportionen derart veränderte, dass die Karosseriebetriebe zunächst ihre liebe Müh damit hatten, angemessen elegante Aufbauten zu schaffen.

Noch einschneidender jedoch war im Jahr 1965 die Vorstellung des Rolls-Royce Silver Shadow, der anscheinend wider aller Traditionen entworfen worden war: zierlich im Vergleich zum Silver Cloud, der Kühlergrill sehr niedrig, ja fast quadratisch, und die Karosserie war zudem selbsttragend konstruiert. Niemand hätte damals gedacht, dass sich der Silver Shadow zum Bestseller und meist verkauften Rolls-Royce aller Zeiten mausern würde.

Rolls-Royce Phantom III - der Kühler sitzt vor der Vorderachse
Der Rolls-Royce Silver Shadow - die Mega-Revolution

Und so scheint es diesmal wieder zu sein. "Klotzig und viel zu groß" heißt es oft, und kein richtiger Nachfolger für den Silver Seraph sei er. Diese Stimmen werden, wie bei oben genannten Fällen auch, allerdings weniger. In England ist der Phantom inzwischen als traditioneller Rolls-Royce akzeptiert. Er wird sogar - und das war und ist des Herstellers Ziel - als würdiger Nachfolger der großen Phantom-Modelle gesehen, die stets eine Klasse für sich waren und nach dem zweiten Weltkrieg, eben wegen ihrer imposanten Erscheinung, nie eine richtige Konkurrenz hatten.

Johannes Riedel, ein Mitglied der Section Germany, ist Fotodesigner und hat sich intensiv mit der Erscheinung des neuen Phantoms beschäftigt und Designstudien betrieben. Dabei entdeckte er unzählige Designelemente, die schon seit Jahrzehnten das Erscheinungsbild eines jeden Rolls-Royce prägen.

Daraus erwuchs die Idee, den neuen Phantom im Studio zu fotografieren und mit einem Rolls-Royce Silver Cloud II long wheelbase (Baujahr 1962) vergleichend darzustellen. Dabei sollten genau jene charakteristischen Stilelemente herausgearbeitet werden, die den neuen Phantom als typischen Rolls-Royce auszeichnen. Wie gelungen das Design des Phantom wirklich ist, zeigt sich besonders bei den Vergleichsaufnahmen mit jenem Rolls-Royce Silver Cloud II. Der von James Young geschaffene Sonderaufbau (Design SCT100, genannt "Baby Phantom"), gilt als der Eleganteste für den Silver Cloud überhaupt.

Dabei fällt natürlich die nach hinten abfallende Linie, die dem Heck seine Rolls-Royce-typische Dynamik verleiht, sofort ins Auge. Und nicht nur der lange Überhang hinten und die breite C-Säule, auch andere klassische Datails lassen sich erkennen:

So ist das Heck gegliedert in Kotflügel mit integrierten Rückleuchten und separat "aufgesetztem" Kofferabteil, welches fließend in den Dachbereich übergeht. Dadurch wird das Heck stilistisch, wie auch bei Sonderkarosserien des Silver Cloud oder der Typen Phantom V und VI, zu einer Mischung aus Fließ- und Stufenheck. Die Öffnungskanten des Kofferraumdeckels befindet sich, ebenso wie bei den klassischen Rolls-Royce der 50er und 60er Jahre, auf der Oberseite des Kofferabteils, um nicht die längs fließenden Linien und Kanten zu unterbrechen.

Selbst die Türgriffe sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern unterstreichen in ihrer Form die Linie des Fahrzeugs. Dies war auch schon immer ein Merkmal klassischen Rolls-Royce Designs. Oftmals waren Türgriffe sogar ein Element der seitlichen Chromleiste entlang der Gürtellinie. Doch lassen wir statt viele Worte lieber Bilder sprechen, die bestimmt auch die schärfsten Kritiker überzeugen und den neuen Rolls-Royce Phantom von nun an in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

Im Namen aller, die im Rahmen dieses Fotoprojekts den Rolls-Royce Phantom erleben und genießen durften, sei an dieser Stelle den Mitarbeitern des Sales Departments von Rolls-Royce Motor Cars für deren Betreuung, Kooperation und natürlich dafür, dass sie uns dieses herrliche Fahrzeug so lange zur Verfügung stellten, ganz herzlich gedankt.

Abschließend noch ein paar weitere Phantom-Impressionen von Johannes Riedel, der auch für verschiedene Rolls-Royce und Bentley-Modelle einen passenden Picknicktisch gestaltet hat. Wer mehr darüber wissen möchte, dem sei die Homepage der "designgruppe 4" unter www.picnic-table.de empfohlen.

 

Text: Michael Ehrhardt

Fotos: Michael Ehrhardt / Johannes Riedel (Studioaufnahmen)

 

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08.09.2010: 

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