Rolls-Royce Enthusiasts' Club German Section e.V. > Clubleben > Strive for Perfection

"Strive for Perfection" - eine Sonderausstellung für BMW-Mitarbeiter

Es war eine BMW-interne Veranstaltung, die vom 13. bis 15. Juni 2005 im Atrium des BMW Forschungs- und Entwicklungszentrums an der Knorrstrasse in München stattfand. Die Rede ist von der Ausstellung "Strive for Perfection", die der Marke Rolls-Royce gewidmet war.

Wie die meisten Bürger unseres Landes, so hatten auch die meisten BMW-Angestellten bislang kaum engeren Kontakt zu Rolls-Royce-Automobilen. Selbst dem "hauseigenen" Phantom einmal wahrhaftig gegenüber zu stehen, war für viele Besucher der Ausstellung ein ganz besonderes Erlebnis.

Und so war man bei Rolls-Royce Motor Cars der Ansicht, dass das Wissen um dass neue BMW-Kind Rolls-Royce und dessen Mythos bei den BMW-Mitarbeitern weiter vertieft werden sollte. Mit viel Liebe zum Detail wurde, auch mit Hilfe der Deutschen Sektion des Rolls-Royce Enthusiasts' Clubs, eine Ausstellung auf die Beine gestellt, bei der es viel Wissenswertes über die Marke, deren Historie und Aktuelles zu sehen und zu erleben gab.

Als Fahrzeuge waren ausgestellt: Rolls-Royce Phantom extended wheelbase, Rolls-Royce Phantom (zweifarbig), Rolls-Royce 100EX, und aus der Sammlung unseres Clubmitglieds Hans-Günter Zach wurden der Rolls-Royce Phantom III H.J. Mulliner Sedanca de Ville sowie ein Rolls-Royce Phantom I mit Karosserie des Brüsseler Karossiers Manessius gezeigt. Letzterer hat lediglich drei Aufbauten für Rolls-Royce gefertigt.
Rolls-Royce Phantom III
Rolls-Royce Phantom I

Anhand großer Schautafeln konnte man sich über die Firmen- und Typengeschichte von Rolls-Royce genau informieren. Hans-Günter Zach zeigte in Vitrinen zahlreiche Sammlerstücke und Gegenstände zum Thema Rolls-Royce, und in einem Shop gab es viele Rolls-Royce Accessoires anzusehen und zu kaufen.

Phantom-Rohkarosserie
Phantom-Armaturenbrett

In einem Nebenraum gab es Einblicke in die Fertigungstechnologien von Goodwood. Dazu war u.a. sehr schön die Holz- und Lederverarbeitung anhand zahlreicher Schaustücke, die verschiedene Fertigungsschritte zeigten, zu sehen. Ebenso gab es Muster sämtlicher im Angebot befindlichen Hölzer zu bewundern. Auch wurden viele sogenannte "Bespoke Features" ausgestellt: meist kleine, von der Serie abweichende Details, wie z.B. ein eingenähtes "RR" auf den Kopfstützen oder besondere Intarsienarbeiten. Im gleichen Raum stand auch eine Phantom-Rohkarosserie.

Natürlich standen Experten aus Goodwood bereit, um anhand der Exponate über die traditionelle Holz- und Lederverarbeitung, sowie den Aluminium Space Frame, die Fahrwerkstechnik und die Antriebstechnologie zu informieren. Selbst Phantom-Chefdesigner Ian Cameron gab Auskünfte über die Designentwicklung des Phantom.

Als besonderes Bonbon fand eine Verlosung statt, bei der es als Hauptpreis eine Fahrt im neuen Phantom oder in einem schwarzen Corniche II Convertible - ebenfalls aus der Sammlung Zach - zu gewinnen gab. Letzteres entpuppte sich für Clubmitglied Zach als harter Job, da er satt Überstunden machte, damit jeder Gewinner seinen Preis auch einlösen konnte. Insgesamt legte er etwa 400 km (!) an den drei Veranstaltungstagen auf Münchens Straßen zurück.

Alle zeigten reges Interesse
Phantom III und Phantom I
Phantom extended wheelbase: Platz ohne Ende
langer und kurzer Phantom

 

Ein paar Anmerkungen des Webmasters, der die Ausstellung ebenfalls besuchen durfte und sich zu 100EX so seine Gedanken machte

Große Cabriolets haben Tradition bei Rolls-Royce. Und so ist es erfreulich, dass Rolls-Royce Motor Cars auch daran anknüpfen will und in absehbarer Zeit ebenfalls ein Cabriolet in Serie produzieren wird. Das Experimentalfahrzeug 100EX gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was da kommen könnte.

Auf den ersten Blick erinnert dieses Auto an ein Silver Cloud Cabriolet, und auch für Nichtinsider ist es aufgrund typischer Proportionen unschwer als Rolls-Royce zu identifizieren. Alles ist wunderbar typisch Rolls-Royce, und sogar Erinnerungen werden wach an bootsähnliche Karosserien auf diversen Phantom-Fahrgestellen der Vorkriegszeit.

Der riesige V16 bleibt leider dem 100EX vorbehalten
Windschutzscheibe und Eckfenster sind in einem Stück aus Aluminium gefasst, die Lackierung zeigt zarten Metalliceffekt.

Etwas wehmütig allerdings stechen dem Traditionalisten drei gravierende Abweichungen von bisherigen Rolls-Royce-Merkmalen ins Auge, die im 100EX erstmals präsentiert wurden und natürlich für Unruhe und Diskussionen sorgen sollten - dafür sind Experimental Cars schließlich da:

Die flauschigen Teppiche mussten Fußmatten weichen, die sicherlich von hoher Qualität sind aber doch die Anmutung des Interieurs optisch entscheidend verändern. Zudem ist der obere Teil des Armaturenbretts in nüchternem Schwarz gehalten. Dadurch wirkt 100EX von innen sicherlich sportlicher und dynamischer. Jedoch fehlt ihm dadurch das besondere, für einen Rolls-Royce so typische Flair, die kuschelige Wohnzimmer- und Clubatmosphäre und somit das Gefühl, dieses Fahrzeug am besten mit Hausschuhen betreten und fahren zu müssen.

Holzverkleidungen unter den Sitzen sind besonders bemerkenswerte Details
Test des Kundengeschmacks: schwarze Flächen im oberen Teil des Armaturenbretts anstatt üppigen Holzfurniers

Am gravierendsten aber ist die Abkehr vom Markantesten, das ein Rolls-Royce zu bieten hat: der frei stehenden Kühlergrill! 100EX ist eine Studie, die auch dazu dient, zu provozieren, auszuloten, was machbar, gewünscht oder unerwünscht ist, damit später in der Serie das Produkt gefertigt wird, das dem allgemeinen Kundenwunsch am ehesten entspricht. Und so suchten die Designer nach der modernen Interpretation des klassischen Kühlergrills. In der Tat zeigten sie sehr viel Feingefühl in ihrem Entwurf. Trotzdem hat der Enthusiast und Traditionalist so sein Problem mit einem entsprechenden Paradigmenwechsel. Rückblickend stellt der stromlinienförmige Kühlergrill des 100EX einen weiteren Bruch mit alter Tradition dar. In der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg gab es bereits Vorstöße einiger Karosseriebetriebe (z.B. Kellner in Paris oder Labourdette), den Kühlergrill an ihr Design anzupassen. Das stieß bei Rolls-Royce stets auf heftigen Widerstand, und so wurde es dem jeweiligen Karosseriehersteller untersagt, auf jenem Fahrzeug das verschlungene "RR" anzubringen.

Aber das war in grauer Vorzeit. Die Zeiten ändern sich, und auch ein heutiger Rolls-Royce sollte nicht nur technisch seiner Zeit angepasst sein.

Bewusste Provokation, um den Kundengeschmack auszuloten: das Serienfahrzeug wird bestimmt weniger progressiv als es die Studie 100EX ist.

Wie bekannt, wurde im Jahr 2007 das eng an die Studie 100EX angelehnte Phantom Drophead Coupé vorgestellt. Lesen Sie hier das dazugehörige Fahrzeugporträt! 

 

Text: Michael Ehrhardt

Fotos: Beatrice Vohler

Der Fotografin Beatrice Vohler sei an dieser Stelle herzlich dafür gedankt, dass sie uns ihre Bilder kostenlos zur Verfügung stellte. 

 

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