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Die große Rolls-Royce-Ausstellung im BMW Museum

Rolls-Royce Silver Ghost Tourer by Wilkinson, Chassis 32PB

München ist bekanntlich eine Reise wert. Das Flair dieser Stadt, das Bier, das gute Essen, die Nähe zu den Alpen und den vorgelagerten Seen und nicht zuletzt die unzähligen Sehenswürdigkeiten. Letztere wurden am 20. März 2013 um eine großartige, bis zum 30. September 2014 währende Wechselausstellung im BMW Museum bereichert, die für jeden Automobilfan und natürlich erst recht für alle Liebhaber der Marke Rolls-Royce ein absolutes Muss darstellte. Unter dem Motto "Strive for Perfection", so der Name der Ausstellung, wurde dem 10-jährigen Bestehen von Rolls-Royce in Goodwood gebührend gedacht.

Das Plakat zur Ausstellung vor dem BMW Museum

Es war in der Tat eine mehr als bemerkenswerte Ausstellung, deren Exponate vom verantwortlichen Leiter des BMW Museums, Herrn Dr. Andreas Braun, mit sehr viel Liebe und Sorgfalt zusammengetragen worden waren. Dass hier sogar alle jemals gebauten Phantom-Typen präsentiert werden konnten, einschließlich des Rolls-Royce Phantom IV, der in nur 18 Exemplaren gebaut wurde und nur von Staatsoberhäuptern sowie Mitgliedern von Königshäusern geordert werden konnte, kann als echte Sensation angesehen werden.

Überhaupt lag der Schwerpunkt der Ausstellung bei den großen Rolls-Royce-Typen (Silver Ghost und Phantom). Insgesamt wurden 15 Fahrzeuge gezeigt, die zum Großteil der BMW Group Classic, aber auch einzelnen privaten Sammlungen entstammten.

Im Einzelnen gab es folgende Wagen zu sehen:

- Silver Ghost, Chassis 32PB, Wilkinson Tourer
- New Phantom Experimental Car, Chassis 10EX, Tourer by Barker
- Phantom II Continental, Chassis 94MY, Fixed Head Coupé by Gurney Nutting
- Phantom II Continental, Chassis 92PY, Sports Saloon by Park Ward
- 20/25, Chassis GBJ2, SeChassis danca de Ville by H.J. Mulliner
- Phantom III, Chassis 3AX101, Saloon with Division by Gurney Nutting
- Phantom IV, Chassis 4AF20, Sedanca de Ville by Hooper, ex Aga Khan
- Phantom V, 5VF81, Touring Limousine by James Young, design PV23
- Silver Cloud III, Chassis SGT591C, Sports Saloon by H.J. Mulliner
- Silver Shadow, Chassis CRX6557, two door Saloon by Mulliner Park Ward
- Phantom VI, Chassis PRX4714, Limousine by Mulliner Park Ward
- Goodwood Phantom Saloon, Chassis U121614
- Goodwood Phantom Drophead Coupé, Chassis UHO7461
- Ghost Art Deco special edition, Chassis UX39536
- Phantom Series II Coupé, Chassis UH24300

Nach Betreten des schüsselähnlichen Gebäudes mit dem BMW-Logo auf dem Dach - sehr gut vom Olympiaturm übrigens zu sehen - fuhr man gleich die lange Rolltreppe nach oben, wo es mit dem Rundgang auch gleich losging. Auf fünf Ebenen waren die guten Stücke präsentiert, aufgeteilt in Vorkriegszeit, frühe Nachkriegszeit, 70er/80er Jahre, das frühe Goodwood und das aktuelle Goodwood. Je weiter man in die Neuzeit gelangte, desto heller waren die Räumlichkeiten ausgeleuchtet.

 

Die oberste Ebene - Vorkriegszeit bis zum Phantom II:

Phantom I, 20/25 und die beiden Phantom II Continentals (von links)
20/25, Phantom I und Silver Ghost (von rechts)

Ganz oben, zu Beginn der Ausstellung stand man in einem recht dunklen Raum. Die mit Spots angestrahlten und auf Sockeln stehenden Fahrzeuge funkelten wie Juwelen. Ein Schauer lief einem über den Rücken angesichts der Ausstrahlung und des Anblicks. Hier spürte man ihn, den Mythos Rolls-Royce. 

Rolls-Royce New Phantom Experimental Car, Chassis 10EX
Rolls-Royce 20/25 Sedanca de Ville, Chassis GBJ2
Zwei Phantom II Continentals, Chassis 94MY und 92PY

Mitten im Raum stehend, sah man von links 32PB, einen roten Silver Ghost Tourer von Wilkinson (s. erstes Foto, ganz oben). Weiter rechts, 90 Grad dazu, die erste Sensation: 10EX, ein New Phantom Experimantal Car, der selbst schon von Henry Royce gefahren worden war und der eine sehr leichte Tourerkarosserie von Barker besitzt. Mit diesem Wagen wurden Höchstgeschwindigkeitstests durchgeführt. Dafür waren leichte Aufbauten sehr wichtig. Selbst die Kotflügel konnten kurzfristig entfernt werden.

Neben 10EX stand alles andere als ein Leichtbau: der 20/25, Chassis GBJ2. Er besitzt eine für einen 20/25 sehr schwere Karosserie als Sedanca de Ville von H.J. Mulliner. Kaum zu glauben, dass es sich hier um einen „kleinen“ Rolls-Royce handelt. Er wirkt fast so mächtig wie ein Phantom. Nur die kürzere Motorhaube verrät ihn.

Der direkte Vergleich stand daneben, in Form zweier schwarzer Phantom II Continentals – 94MY und 92PY. Sicherlich kann man sich fragen, ob nicht ein Phantom II Conti gereicht hätte und man nicht den Phantom III hätte daneben platzieren können. Dann hätte man noch einen Typ mehr zeigen können. Nein, es soll hier nicht negativ kritisiert werden, das hat diese phantastische Ausstellung nicht verdient, denn wenn man sich die beiden Phantom II so nebeneinander betrachtet, fällt auf, wie vielfältig die Karosserien waren, die man auf ein und dasselbe Chassis setzen konnte. 94MY ist nämlich ein sehr seltenes Fixed Head Coupé von Gurney Nutting im klassischen Owen Design, mit separat aufgesetztem Koffer am Heck und Reserverad hinten. 92PY hingegen bekam eine Karosserie in Form eines eleganten, viertürigen Sports Saloons von Park Ward.

Rolls-Royce Phantom II Continental fixed Head Coupé by Gurney Nutting, Chassis 94MY
Rolls-Royce Phantom II Continental Sports Saloon by Park Ward, Chassis 92PY

Hier, im obersten Stockwerk, befand sich auch eine sehenswerte Sammlung übergroßer RR-Kühlerfiguren.

 

Die zweite Ebene - späte Vor-/frühe Nachkriegszeit, "Designerecke":

Ein Teil der zweiten Ebene mit Blick auf Ebene 1
Rolls-Royce Pantom V mit Silver Cloud III dahinter

Schritt man die Treppe von der ersten zur zweiten Ebene hinunter, empfahl es sich, bevor man sich auf die Fahrzeuge stürzte, unbedingt einen genaueren Blick auf die gebogene Wand zur Rechten zu werfen. Dort wurden die für Rolls-Royce wichtigsten Karossiers in aller Ausführlichkeit vorgestellt. Hier hatte der RREC in England das BMW Museum maßgeblich mit historischen Unterlagen aus den Clubarchiven unterstützt. Besonders sind hier die originalen Designerzeichnungen, wie sie z. B. den Kunden zur Absegnung vorgelegt wurden, zu erwähnen.

Die 'Designerecke' ist mehr als nur einen flüchtigen Blick wert! Dahinter erspäht man noch einen Teil der übergroßen Kühlerfiguren.

Von hier aus leider all zu leicht zu übersehen, stand rechts neben der Rolltreppe, welche die neuen Besucher nach oben beförderte, ein Phantom III, der erste Rolls-Royce mit Zwölfzylindermotor. Das Design dieses Wagens war von keinem Geringeren als John Blatchley entworfen worden, der seinerzeit bei Gurney Nutting tätig war. - Blatchleys erfolgreichstes Design war übrigens der Rolls-Royce Silver Cloud / Bentley S Standard Saloon, aber auch das Corniche Cabrio trägt seine Handschrift. -

Rolls-Royce Phantom III Saloon with Division by Gurney Nutting, Design John Blatchley, Chassis 3AX101

Das nach hinten stark abfallende Heck dieses Wagens betont die wuchtige Front des Phantom III besonders. Das Heck verfügt über einen separat aufgesetzten Koffer. Wer sich mit den verschiedenen Designs von Gurney Nutting schon näher beschäftigt hat, den erinnert dieser “Saloon with Division“ (ein Fünfsitzer mit Trennwand) an einen Sedanca de Ville, den Gurney Nutting einst auf einen Phantom II aber auch auf einen 20/25 setzte.

Und nun zum automobilen Höhepunkt der Ausstellung, dem Rolls-Royce Phantom IV:

Rolls-Royce Phantom IV Sedanca de Ville by Hooper, Chassis 4AF20 (ex Aga Khan)
Dieser Phantom IV gilt als der Eleganteste von allen.
So rot war der Innenraum von 4AF20 schon immer.
Blick auf den Barschrank aus üppig gemasertem Wurzelholz.

Jener Wagen mit der Fahrgestellnummer 4AF20 wurde für seine Königlichen Hoheit, Sultan Mohamed Shah, Aga Khan III gefertigt. Der Aufbau stammt von Hooper und wurde im Grunddesign dreimal produziert: einmal für den Shah von Persien (4CS6) und einmal für König Faisal II vom Irak (4BP1 - von diesem Wagen finden Sie eine Aufnahme in unserer Fahrzeuggalerie). Das Besondere an 4AF20 ist jedoch, dass er der einzige Phantom IV überhaupt ist, der als Sedanca de Ville (besser gesagt als Limousine de Ville, da sechsfenstrig) ausgeführt wurde und als der eleganteste Phantom IV überhaupt gilt.

Ursprünglich in dunkelgrün mit hellgrünen Linien entlang der Gürtellinie lackiert, präsentiert sich dieser königliche Wagen heute in rotem Metalliclack. Innen scheint alles beim Alten, denn ursprünglich war das Leder schon immer rot. Leider ist dieser Wagen ohne seine spezielle Lalique-Kühlerfigur (sie zeigt einen Greifvogel) ausgestellt. Klaus-Josef Roßfeldt hat diesen Wagen übrigens sehr schön auf seiner Homepage www.rrab.com als „Auto des Monats Januar 2010“ porträtiert.

Gegenüber dem Phantom IV standen nebeneinander ein Phantom V (5VF81) und ein Silver Cloud III (SGT591C). Die Karosserie des Phantom V, höchstelegant in einem sehr dunklem Blau lackiert und dunkel getöntem drittem Seitenfenster, stammt von James Young und ist bekannt als Touring Limousine, Design PV23.

Rolls-Royce Phantom V, Chassis 5VH81, von James Young eingekleidet als Touring Limousine, Design PV23

Dieses Design mit dem sogenannten „Hooper-Light“, einer speziellen Form des dritten Seitenfensters, gilt unter Fans als das Schönste, das es je auf dem Fahrgestell des Phantom V gab. Die niedrige Dachlinie und das früh relativ flach abfallende lange Heck verkürzen zwar den Innenraum so, dass die Passagiere auf den Notsitzen nur quer zu Fahrtrichtung sitzen, jedoch wirkt der Wagen dadurch längst nicht so massiv wie das Pendant von Mulliner oder Park Ward. James Young ist der Kunstgriff gelungen, diesen riesigen Wagen regelrecht zierlich zu gestalten.

Rolls-Royce Silver Cloud III H.J. Mulliner Sports Saloon, Chassis SGT591C

Sehr interessant war der daneben stehende Silver Cloud III. Auf dem Schild vor dem Wagen war zu lesen, dass es sich hier um einen Sports Saloon von H.J. Mulliner handelt. Dieses Design war ursprünglich für den Bentley S1 Continental entworfen worden und "Flying Spur" genannt. Aufgrund der großen Nachfrage konnten Rolls-Royce-Liebhaber diese Karosserievariante auch für den Silver Cloud III ordern, wofür die Bezeichnung "Flying Spur" aber keine Verwendung fand. Diese blieb dem Bentley S3 Continental vorbehalten. Mehr zum Thema "Flying Spur" und dass es auch einen Rolls-Royce mit dieser Bezeichnung gab, lesen Sie hier.

 

Die dritte Ebene - die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts:

Rolls-Royce Silver Shadow Coupé, Chassis CRX6557 und Rolls-Royce Phantom VI Limousine, Chassis PRX4714

Ein Stockwerk tiefer gelangte man zu einem wunderschönen Silver Shadow two door Saloon (später Corniche Coupé genannt), Chassis CRX6557 und einem zweifarbigen Phantom VI, Chassis PRX4714. Riesig wirkt dieser im Vergleich zum gewiss nicht kleinen Shadow.

Vorsichtig wurde der Phantom VI auf dem Transportschlitten nach oben manövriert. (Foto: Rolls-Royce Motor Cars)

Überhaupt stellte die Größe der Ausstellungsstücke für das BMW Museum eine besondere Herausforderung dar, denn das Ausstellungsgebäude war ja eigentlich nur für BMW-Automobile gedacht, die wesentlich kleiner sind. Auch das Gewicht so vieler Rolls-Royce ließ die Organisatoren zunächst schwitzen, bis die Statiker grünes Licht gaben.

Der Transport, besonders von Phantom V und VI in die Ausstellungräume war regelrechte Millimeterarbeit - und das im wahrsten Sinne des Wortes - , denn man musste den Weg über die das Gebäude durchziehenden gebogenen Rampen wählen, da es in den einzelnen Stockwerken keine seitlichen Türen gibt. Auch gibt es keinen Zugang von oben. Auf einem extra für diesen Zweck entwickelten, variabel einsetzbaren Transportschlitten aus Stahl, versehen mit mehreren Rollen, wurde somit jeder Wagen nach oben gezogen, ohne dass nur ein einziges Rad an den Exponaten bewegt wurde.

 

Die vierte und fünfte Ebene - Rolls-Royce made in Goodwood:

Zwei Phantom-Vorserienwagen: die Limousine, Chassis U121614 und das Drophead Coupé, Chassis UHO7461 auf der vierten Ebene

Die beiden letzten Ebenen waren den Fahrzeugen aus Goodwood vorbehalten, angefangen mit zwei Phantom-Vorserienmodellen: einer blauen Limousine, Chassis U121614 und einem Drophead Coupé, Chassis UHO7461. 

Durch die noch nicht nach vorne gewölbten Kühlerlamellen wirkt die Front des Vorserienwagens weniger dynamisch als bei der Serie.

Das Cabrio erlangte Weltruhm, ist es doch jenes blaue Exemplar mit gebürsteter Motorhaube, das auf den ersten Pressebildern zu sehen war. Betrachtet man den Wagen von vorne etwas genauer, stellt man fest - sofern man schon mehrere Phantom Dropheads oder Coupés gesehen hat -, dass am Kühlergrill etwas anders ist: Die Kühlerlamellen sind noch nicht, wie bei der Serie, nach außen leicht gewölbt, sondern gerade und harmonieren daher noch nicht mit der Linie des äußeren Rahmens.

Das große Finale stellten zwei Wagen aus aktueller Produktion dar: das kräftig blaue Phantom Coupé der Serie II, Chassis UH24300 und der Ghost aus der „Art Deco“- Sonderserie mit der Fahrgestellnummer UX39536.

Rolls-Royce Phantom Coupé der Serie II, Chassis UH24300
Rolls-Royce Ghost 'Art Deco'-Sondermodell, Chassis UX39536

Aber diese Ausstellung war, anders als andere Automobilausstellungen, weit mehr als nur eine Präsentation ausgewählter Fahrzeuge. Wie der Kurator des BMW Museums, Herr Dr. Andreas Braun, anlässlich der Eröffnung am 20. April 2013 sagte, war es das Ziel, dem Publikum den Mythos Rolls-Royce näher zu bringen, was eine besondere Herausforderung darstellte. Es sollen nämlich nicht nur Autos bestaunt werden, sondern das Publikum sollte erfahren, was genau hinter dem Mythos steckt, warum ein Rolls-Royce nicht nur ein Auto ist, sondern bis zum heutigen Tag ein technisches und handwerkliches Kunstwerk.

Fahrzeugfertigung in Goodwood
Lederverarbeitung an der Mittelarmlehne
Fotos und Vitrinen wechseln sich ab.
Fotos und Zeichnungen hinter dem Phantom VI
Selbst die Marke Bentley wurde auf den Infotafeln nicht vergessen.

Neben den erwähnten Automobilen gab es daher noch zahlreiche andere Ausstellungsstücke wie Motoren oder Muster zur Holz- und Lederverarbeitung. Selbstverständlich konnte der Besucher auch viel Hintergrundwissen auf Tafeln nachlesen. Eigens für diese Ausstellung waren zudem künstlerische Detailfotos aller gezeigten Automobile angefertigt worden. Diese wechselten sich innerhalb der Ausstellung ab mit historischen Aufnahmen diverser Rolls-Royce als auch mit originalen Zeichnungen der verschiedenen Karossiers, wie z.B. James Young oder H.J. Mulliner und Vitrinen mit den verschiedensten zur Marke Rolls-Royce passenden Kunst- und Designergegenständen sowie Luxusartikeln.

Herr Dr. Braun und sein Team hatten, auch dank der fachlichen Beratung durch Klaus-Josef Roßfeldt, unzähligen Leihgaben des RREC aus dem englischen Hunt House als auch der großzügigen und unentgeltlichen Unterstützung diverser englischer Traditionsbetriebe und Luxusmarken, eine außergewöhnliche und nie dagewesene Ausstellung zum Thema Rolls-Royce auf die Räder gestellt. Mit viel spürbarem Enthusiasmus und Herzblut war es ihnen gelungen, dem Besucher die Marke mit all ihren Facetten näher zu bringen und Begeisterung für sie zu wecken.

Ergänzung – ein kleiner Fahrzeugwechsel:

Zu Beginn des Jahres 2014 gab es einen kleinen Exponatwechsel. Dies betrifft den Rolls-Royce Silver Ghost, den Phantom IV und den Ghost.

Der rote Wilkinson Tourer (Silver Ghost Chassis 32PB) wurde kurzzeitig durch den Siegerwagen der Großen Alpenfahrt von 1913, den berühmten "Radley Ghost", Chassis 2260E ersetzt. Dieser wiederum wurde nach kurzer Zeit nach Großbritannien gebracht. Die Lücke schloss anschließend ein sehr interessanter Springfield Ghost aus dem Jahr 1923. Es ist der Wagen mit der Chassisnummer 421HH, ein Silver Ghost aus amerikanischer Produktion. Dass der Wagen trotzdem rechtsgelekt ist, weist ihn als frühes Exemplar aus dem Zweigwerk in Springfield/Massachusets aus.

Rolls-Royce Silver Ghost, Chassis 421HH
Rolls-Royce Silver Ghost, Chassis 421HH

Ausgeliefert wurde dieser Wagen mit einem Aufbau von Brewster als „Canterbury“ Limousine, die recht hoch und hinten ein wenig rundlich geformt war. Erster Besitzer war ein E. Guggenheim aus New York.

Instrumente ganz wie in einem Packard der damaligen Zeit, nur mit Rolls-Royce-Schriftzug (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eigentümers)

In den 20er Jahren war es durchaus üblich, einen Wagen zu modernisieren und einen Limousinenaufbau durch eine offene Karosserie zu ersetzen. Herr Guggenheim war sehr angetan von der Schönheit seines Packard und ließ daher irgendwann zwischen 1924 und 1926 eine Karosserie im "Packard-Style" auf das Chassis von 421HH setzen. Interessant ist, dass die Form der Instrumente des Armaturenbretts bei diesem Wagen in der Ausführung exakt denen von Packard aus der damaligen Zeit entsprechen, jedoch hier mit dem Schriftzug der Marke Rolls-Royce versehen sind.

Im Jahr 2009 wurde der Wagen aufwändig restauriert, wobei er sportlichere Kotflügel im Stil der berühmten London-to-Edinburgh Tourer angebracht bekam sowie neue Scheinwerfer englischer Bauart und einen Kühlergrill ohne verstellbare Lamellen, im klassischen Silver Ghost-Stil.

Ion Tiriac (Ex-Manager von Boris Becker) und Besitzer des zuvor gezeigten roten Phantom IV, Chassis 4AF20, wollte seinen Wagen zurück haben, um ihn aufbereiten zu lassen. Tatsächlich ist es dem Kurator des Museums, Herrn Dr. Andreas Braun, erneut gelungen, einen weiteren Phantom IV aufzutreiben. Es ist 4BP7, der einst für Prinzessin Margaret gefertigt wurde und dessen Aufbau bei H.J. Mulliner entstanden war.

Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7 (Ex Princess Margaret)
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Pegasos auf dem Kühlergrill von 4BP7
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7

Schon am Wappen auf dem Dach und der blauen Lampe davor sieht man, dass es sich hier um ein königliches Fahrzeug handelt. Der Kühlergrill wird von einem Pegasos geziert. Exklusiv für uns hat Dr. Braun den Wagen geöffnet, damit wir hier ein paar Bilder des Innenraums von 4BP7 zeigen können. Was man leider nicht sieht, ist die Sitzverstellung vorne, denn die Prinzessin steuerte zuweilen diesen Wagen selbst. Deshalb ließ sich der Fahrersitz in Höhe und Längsrichtung verschieben.

Auch die Prinzessin selbst nahm bisweilen hinter diesem Lenkrad Platz.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Schalter für Trennscheibe, Fensterheber, Jalousien etc.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Gut sichtbar ist hier das Glasdach über der Rücksitzbank.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Der Platz der Prinzessin mit Schaltern für Fenster, Jalousien,Trennwand und Radio.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Auch die Rückbank ist in Höhe und Längsrichtung verstellbar.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7
Neben dem Deckenlicht befindet sich die Befestigung für das Wappen.
Rolls-Royce Phantom IV, Chassis 4BP7

Der dritte Wagen im Bunde war der Ghost aus Goodwood. Dieser ersetzte das „Art Deco“-Sondermodell. Das Ersatzfahrzeug hat die Chassisnummer UX34001 und ist ein Vorserienexemplar. 

Rolls-Royce Ghost (Vorserienwagen), Chassis UX34001
Rolls-Royce Ghost (Vorserienwagen), Chassis UX34001

 

Text: Michael Ehrhardt

Fotos: Michael Ehrhardt, Rolls-Royce Motor Cars

 

Der RREC dankt dem BMW Museum für die großzügige Unterstützung bei der Realisierung der hier gezeigten Fotos. Insbesondere danken wir dafür, dass unser Wunsch nach Innenaufnahman beider Phantom IV erfüllt werden konnte.

 

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20.03.2017: 

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