Rolls-Royce Enthusiasts' Club German Section e.V. > Clubleben > Ludwigsburg 2012 - 2. Teil

Retro Classics meets Barock 2012 – die große RREC Show, 2. Teil

Wie am Ende des ersten Teils erwähnt gab es noch zahlreiche andere Rolls-Royce und Bentleys zu bewundern.

So präsentierte Hans-Günter Zach (Sie wissen schon, das ist derjenige, dem einst der berühmte Rolls-Royce Phantom II "Stern von Indien" gehörte) wieder einmal vier wunderbare Schmuckstücke seiner nach wie vor sehenswerten Sammlung. Genau in der Mitte der Schlossfasade standen nebeneinander der älteste Rolls-Royce in Ludwigsburg, das Mulbacher Silver Ghost Coupé de Ville, Chassis AE24, dessen erster Besitzer Jean Hennessy war, der mächtige Phantom III Sedanca de Ville mit Aufbau von H.J. Mulliner, Chassis 3AZ236, daneben der blaue Springfield Ghost, Chassis 79JH Pall Mall Tourer und schließlich die „Alu Skulptur“, der Phantom I, Chassis 6YC , einst gefertigt für den Maharadscha von Nanpara. Clubmitglied Zach trat ursprünglich außer Konkurrenz an, jedoch war sich die Jury einig darüber, auch ihm einen Preis zu geben, nämlich den Sonderpreis „Savoir Vivre“ für sein Mulbacher Coupé de Ville.

Rolls-Royce Silver Ghost Mulbacher Coupé de Ville, Chassis AE24
Rolls-Royce Phantom III H.J. Mulliner Sedanca de Ville, Chassis 3AZ236
Rolls-Royce Silver Ghost (Springfield, USA) Pall Mall Tourer, Chassis 79JH
Rolls-Royce Phantom I "Alu Skulptur", Chassis 6YC

Im Gegensatz zu diesen hochherrschaftlichen Fahrzeugen gab sich der Rolls-Royce 20/25, Chassis GYH79 geradezu bescheiden. In grün lackiert, mit schlichter Open Tourer Karosserie ist Repräsentanz nicht seine Sache. Dieser Wagen diente in der Vergangenheit als Jagdwagen und lässt sich auch heute noch, dank seiner leichten Karosserie, recht behände und flott bewegen.

Ein kleiner Jagdwagen: Rolls-Royce 20/25, Chassis GYH79

Auffällig war ein hellblau metallic farbener Rolls-Royce Wraith, Chassis WLB3 mit. Für die damalige Zeit (1939) sicherlich sehr ungewöhnlich ist die Farbgebung dieses Wagens, steckte doch die Erfahrung mit Metalliclack noch in den Kinderschuhen. Durch die helle Farbe kommt die Eleganz seiner Karosserie von H.J. Mulliner besonders gut zur Geltung. Der Besitzer bewies sich übrigens als hervorragender Gastgeber während der ganzen Veranstaltung, indem es stets etwas zur Verköstigung bei ihm gab. Aufgedeckt wurde stilecht mit Hilfe eines am Wagen hinten aufgeschnallten Picknickkoffers.

Rolls-Royce Wraith, der kleine Bruder des Phantom III, war das letzte Vorkiegsmodell der Marke.
Im Kofferabteil war ein Picknickkoffer untergebracht - für den großen Hunger zwischendurch.

Schön war es, nach über zwei Jahren wieder den Phantom I, Chassis 119RC (Baujahr 1925), zu sehen. Lange hatte der Besitzer für seinen „Colonial Style Tourer“ nach einem neuen Zylinderkopf gesucht. 

Trotz seines Alters ein sehr zuverlässiger Reisewagen: Rolls-Royce Phantom I, Chassis 119RC

Kurz vor dem Ludwigsburg-Event wurde der Wagen in einer Fachwerkstatt endlich fertig gestellt. Ohne Probleme fuhr der Wagen mehrere hundert Kilometer nach Ludwigsburg. Auf der Rückfahrt nach Hause führte ihn der Weg noch einmal zur Werkstatt, um die Zylinderkopfschrauben anzuziehen. Dass der Wagen anschließend den restlichen Weg in seine norddeutsche Heimat anstandslos hinter sich brachte, ist wieder ein Beweis für die ausgezeichneten Langstreckenqualitäten auch sehr alter Rolls-Royce-Fahrzeuge.

Von vorne sieht dieser Wagen fast aus wie ein normales Corniche Coupé.
Von hinten aber scheint es sich aber um ein Cabriolet zu handeln.

Unter den neueren Fahrzeugen war auch ein Rolls-Royce Corniche Coupé von besonderem Interesse. Von vorne sieht das Fahrzeug mit der Chassisnummer CRX11542 recht unscheinbar aus. Von hinten betrachtet meint man, ein Cabrio vor sich zu haben, bei dem, für das Corniche Cabrio ungewöhnlich, die hinteren Seitenfenster denen des Coupés entsprechen. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Wagen um ein Coupé. Der Wagen war im Jahr 1971 mit 'everflex roof' in die USA geliefert worden. Nach Angaben des letzten Verkäufers wurde er dann in den 80er oder 90er Jahren, auf Wunsch des seinerzeitigen Eigentümers, in Crewe selbst 'drophead-like' mit diesem Verdeck ausgestattet.

Markus Zippert in seinem Bentley 4 1/4 Liter, Chassis B75GP
Trailer-Gespann mit Bentley S1 als Zugfahrzeug

Stellvertretend für viele andere erwähnenswerte Clubfahrzeuge sei noch kurz über Markus Zippert und dessen Bentley 4 ¼ Liter 2-seater Special berichtet. Vor vielen Jahren verunglückte Markus Zippert mit diesem Wagen bei einer Rallye für historische Fahrzeuge schwer und blieb anschließend querschnittsgelähmt. Dank seiner Kämpfernatur ließ er sich nicht unterkriegen, restaurierte seinen Bentley und baute ihn auf Handbedienung um. Auch an seinem Bentley S1 ergriff er diese Maßnahme. Sichtbar ist der Umbau an beiden Wagen zu allererst an dem links unter dem Lenkrad herausragenden Handhebel.

Heute nimmt Markus Zippert wieder mit Eifer und Erfolg an historischen Rennen teil. Sein  Engagement und sein Einsatz in der Rennsportszene für historische Fahrzeuge ließ die Jury nicht ruhen, und so erfand sie am Sonntag kurzerhand den Sonderpreis “Jochen Mass Spezial”, der freilich vom Namensgeber selbst feierlich überreicht wurde.

Jochen Mass überreicht höchtpersönlich den Sonderpreis an Markus Zippert. (Foto: Retro Promotion)

Über den Tellerrand geschaut...

...gab es natürlich auch ein paar ganz besondere Fahrzeuge zu bestaunen. Das Feld war sehr bunt gemischt und umfasste Brot- und Butterautos, wie beispielsweise einen Opel Kadett Berlinetta aus dem Jahr 1978 in traumhaftem Originalzustand, einen Opel Olympia P1, Baujahr 1960 oder Ford A und T, um zwei Vorkriegstypen zu nennen. Es gab aber auch Exoten, wie das VW Käfer Cabrio von Hebmüller, ein Borgward Isabella Coupé sowie mehrere Jaguar XK-Typen, verschiedene Mercedes-Modelle aus den 60er und 70er Jahren bis hin zum 600er Pullmann und mehrere Porsches. Und wann hat man zuletzt einen Bitter Diplomat gesehen? Nicht minder aufregend war auch das Chrysler Imperial Crown Convertible mit freistehenden Scheinwerfern.

VW Käfer Hebmüller Cabrio
Zwei Ford T zweier Generationen
Seltene Dropheads: Jaguar XK 120 und zwei XK 140
Bitter Diplomat
Borgward Isabella Coupé
Chrysler Imperial Crown Convertible

Am meisten faszinierten natürlich Traumwagen vom Schlage eines Mercedes 540K Spezialroadsters, eines Mercedes Nürburg, Horch 830 Cabriolet, Jaguar SS1 four light Saloon oder Alfa Romeo 6C 2500 SS (Baujahr 1947), den es sowohl als Touring und als Cabrio zu sehen gab.

Mercedes 540K Spezialroadster
Mercedes 500 'Nürburg'
Horch 830
Jaguar SS1 four light Saloon
Alfa Romeo 6C 2500 SS Touring
Alfa Romeo 6C 2500 SS Cabrio

Absoluter Star war allerdings der Gewinner des Concours d’Elegance, ein Bugatti Typ 57C, Baujahr 1939 und bestechend schöner Karosserie von Letourneur et Marchand, der der Mutter des Fahrers gehört. Und jener Fahrer wiederum hat einen 13 jährigen Sohn, der höchstselbst seinen eigenen Bugatti, einen kleinen, niedlichen Typ 23, Baujahr 1925, auf die Rampe zur Siegerehrung - 1. Platz  Veteranen (offen + geschlossen) bis 1928 -  auf die Rampe fuhr.

Was für ein Design: Bugatti 57C mit Aufbau von Letourneur et Marchand
Der Junior fuhr ihn selbst auf die Rampe: Bugatti Typ 23

Nicht auf der Rampe aber ebenso sehenswert war ein Cadillac Typ 55 Speedster aus dem Jahr 1917 mit einem 5 Liter V8-Motor. Es ist schon ein gewaltiger Wagen, wie er mit seiner hohen Motorhaube vor einem steht, ganz in kräftigem Blau lackiert und mit viel Messing verziert. Die Scheinwerfer dieses Wagens sind besonders bemerkenswert. Das Glas sieht aus, als sei es aus Kristallglas gefertigt. Grund für die ungewöhnliche Ausformung der Gläser war natürlich, eine bessere Ausleuchtung der Straße bei Dunkelheit zu erreichen.

Cadillac Typ 55 Speedster...
...mit 5 Liter V8 und...
...außergewöhnlichen Lampen.

Obwohl Jahrgang 1917 war dieser Cadillac bei weitem nicht das älteste Fahrzeug. In Ludwigsburg gab es auch einen Delage Typ 12 von 1911 oder kutschenähnliche Gefährte wie den Waltham Orient Roadster aus dem Jahr 1906 oder das Petigars Prat Carrabin Voiturette von 1898.

Delage Typ 12, Baujahr 1911
Petigars Prat Carrabin Voiturette von 1898
Waltham Orient Roadster und die ...
...Alternative zum V12: der Einzylinder Reihe

Traditionell werden in Ludwigsburg immer wieder historische Prototypen und Studien gezeigt. So auch in diesem Jahr. Dazu gehörten ein wunderschöner 1960er Alfa Romeo „Praho“ Prototyp von Touring Superleggera, ein Lancia Flaminia Speziale Prototipo von Pininfarina aus dem Jahr 1966 und eine typische Studie von Bertone, der Lancia Stratos Sibilo von 1978. Dieser Wagen sieht sehr futuristisch aus und besitzt dort, wo Autos sonst Fenster besitzen, eine transparente Karosserie.

Alfa Romeo 'Praho' Prototyp von Touring Superleggera
Lancia Flaminia Speziale Prototipo von Pininfarina
Lancia Stratos Sibilo, eine Studie von Bertone
Besonderes Merkmal des Sibilo: transparente Karosserieteile

Bei genauerem Hinsehen entdeckte man also doch recht viele weitere interessante Fahrzeuge. Schade, dass die Teilnehmerzahl durch die schlechten Wetterprognosen derart reduziert war. Aber auch dann wäre die Retro Classics meets Barock 2012 eine Veranstaltung gewesen, die der RREC dominiert hätte, wie es kaum ein anderer Markenclub imstande gewesen wäre. Allein aus Sicht der German Section war es ein herausragendes Clubtreffen, da es selten zuvor bei unseren Clubveranstaltungen derart viele verschiedene RR-Typen und vor allem Vorkriegsmodelle zu sehen gab, wie dieses Jahr in Ludwigsburg. Wer nicht dabei war, hat viel verpasst!

Damit bei unserer Berichterstattung über diese Veranstaltung auch jeder Rolls-Royce und Bentley, der in Ludwigsburg teilgenommen hat gezeigt wird, gibt es hier noch eine ergänzende Bildergalerie. Die Fotos aller prämierten Rolls-Royce und Bentleys sehen Sie im ersten Teil des Berichts über die Retro Classics meets Barock 2012.

Rolls-Royce 20 HP
Rolls-Royce Phantom III Sedanca de Ville
Rolls-Royce Corniche Convertible
Rolls-Royce Corniche Convertible
Rolls-Royce Silver Wraith II
Bentley 4 1/4 Liter Drophead Coupé
Rolls-Royce Corniche 'last of line'
Rolls-Royce Silver Shadow
'RRentley' S1
Rolls-Royce Silver Spirit
Rolls-Royce Silver Cloud III Coupé von H.J. Mulliner, Park Ward
Bentley S3 Continental Coupé von H.J. Mulliner, Park Ward
Rolls-Royce Silver Shadow II
Rolls-Royce Silver Wraith II
Bentley Continental GT
Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé
Bentley Continental GT
Rolls-Royce Phantom
Bentley Corniche Coupé
Rolls-Royce Silver Shadow II
Bentley S2
Bentley T
Rolls-Royce Silver Cloud III
Rolls-Royce Silver Spur
Rolls-Royce Silver Cloud II
Rolls-Royce Silver Wraith long wheelbase H.J. Mulliner Limousine
Rolls-Royce Silver Wraith Park Ward Saloon (frühes Modell)
Bentley Continental R

Text:  Michael Ehrhardt

Fotos:  Michael Ehrhardt, Rainer Gansen, Retro Promotion

 

 

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18.09.2017: 

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