Es war wirklich wie in alten Zeiten, wenn man sich so die Ansammlung an vorgefahrenen Fahrzeugen betrachtete. Und auch sonst war es wie früher, wenn man diese Veranstaltung mit jenen von heute vergleicht.
Um 35 Jahre der German Section zu feiern, waren zum Frühjahrstreffen ca. 70 Fahrzeuge unserer Marken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien und England nach Windhagen bei Bonn gekommen.
Die Typenvielfalt war ebenso gewaltig wie nostalgisch, denn wann gab es zuletzt ein Treffen, an dem gleich drei (!) des so liebenswerten Bentley MK VI standard Saloons teilnahmen? Ihn sah man neben dem R-Type einst rudelweise bei Clubtreffen, da er sehr robust und preiswert war und daher der klassische Einsteigerwagen für Rolls-Royce- und Bentley-Fans.
Vorkriegswagen sind heutzutage bei Clubtreffen ebenfalls sehr rar geworden. Auch hier war es wie einst, mit sage und schreibe vier (!!) Rolls-Royce 20/25. Mit dabei war sogar ein Wagen, der auch beim Clubgründungstreffen in Kronberg vor 35 Jahren teilgenommen hatte.
Was es sonst nur in England bei der Annual Rally nebeneinander zu sehen gibt, das waren zwei 20/25 three position Drophead Coupés von Gurney Nutting. Interessant dabei ist der optische Vergleich beider Wagen. Der eine ist ein Jahr älter, stilistisch sichtbar z.B. an den außenliegenden Türscharnieren und dem steileren Heckabschluss. Dafür wirken die Kotflügel sportlicher als die des anderen Wagens, denn sie erinnern doch mehr an die klassischen sportlichen Phantom II Dropheads von Gurney Nutting. Der zweite Wagen ist dafür der elegantere, optisch schwerere Wagen, der sogar noch, laut Unterlagen, einen etwas verlängerten Radstand besitzt. Eines haben aber beide Wagen zusammen: sie sind die einzigen zwei originalen 20/25 three position Drophead Coupés von Gurney Nutting in ganz Europa!
Zwei W.O. Bentleys waren sogar mit von der Partie: ein 4,5 Liter Open Tourer und ein 3/8 Liter Rennwagen (also ein 3 Liter Chassis mit einem 8 Liter Motor) von 1925, gleichzeitig das älteste Auto des Treffens. Diese bildeten einen schönen Kontrast zum Bentley GT Supersports von Bentley Düsseldorf, die zudem einen Arnage T „Mariner“ (No. 3 of 6) präsentierten.
Überhaupt sind die GTs aus dem Hause Bentley im Club auf dem Vormarsch. Sie waren in Windhagen recht stark vertreten. Aber auch diverse Arnage-Variationen und sogar einen Brooklands gab es zu sehen, womit wir in der heutigen Zeit angekommen sind.
Rolls-Royce Motor Cars präsentierte dieses Mal einen neuen Rolls-Royce Ghost, der viele Blicke auf sich zog und hoffentlich auch bald vom einen oder anderen Clubmitglied gefahren werden wird. Auch ein „Großer“ aus Goodwood war dabei.
Ansonsten, wie schon seit Jahrzehnten, waren Clouds und Bentley S in allen möglichen Variationen und Karosserien vertreten. Es fehlte eigentlich nur noch ein Cloud Cabrio.
Anders bei der Shadow-Reihe: hier hat ein Trend eingesetzt, der sich auch bei anderen Marken zeigt: Cabrios sind besonders beliebt, und so sind Corniche Cabrios in zunehmenden Mengen auf unseren Events zu sichten. Das wiederum resultiert im starken Rückgang der einst in Massen aufgefahrenen Silver Shadows. In Windhagen waren es gerade mal zwei Shadow II und kein einziger (!) Shadow der ersten Serie. Demgegenüber standen drei Corniche Dropheads sowie sogar vier (!!) Silver Wraith II. Letzere zeigten übrigens sehr schön, dass es bei Rolls-Royce nichts von der Stange gibt, denn alle unterschieden sich merklich voneinander, womit wunderbar demonstriert wurde: „Nichts ist unmöglich,...“
Der offizielle Teil des Treffens begann Freitagnachmittag mit der Begrüßung der Teilnehmer im Dorint Hotel von Windhagen, und um 18.00 Uhr trafen sich alle zum gemeinsamen Wiedersehen bei einem vorzüglichen Abendbuffet. Bei bester Stimmung wurde geplaudert bis in die Nacht, in Erinnerungen geschwelgt und Neuigkeiten ausgetauscht.
Punkt 9.30 Uhr ging es am nächsten Morgen los auf große Fahrt, über romantische, kurvenreiche Sträßchen durch den Westerwald und das Siebengebirge.
Die Mittagsrast fand in stilvoller Umgebung in Königswinter statt, wo wir bei Ankunft, ganz schottisch, von einer Dudelsackkapelle begrüßt wurden und die Autos, auf drei Parkplätze verteilt, etwas abkühlen konnten.
Keine Veranstaltung ohne Kaffeepause. Diese gab es, nach einer interessanten Führung, auf Schloss Drachenburg, einem Ort, der Rolls-Royce-geschichtlich von historischer Bedeutung ist, da dort oben zu Crewe-Zeiten Fahrzeugpremieren und Fototermine stattfanden. Ähnliches war für das Frühjahrstreffen auch vorgesehen:
Da der neue Rolls-Royce Ghost vor Ort war und fast die ganze Bandbreite aller „kleinen“ Rolls-Royce-Modelle, sollte dort oben ein Gruppenfoto gestaltet werden mit dem „Neuen Kleinen“ und seinen Vorgängern. Neben dem Silver Dawn, ersetzt durch den Bentley Mk VI, fehlten nur noch die Typen 20 hp und 25/30 hp. Später sollten sich noch alle teilnehmenden Clubmitglieder um die Fahrzeuge scharen.
Es war eine einmalige Gelegenheit, mit diesen Wagen hoch zu fahren, und ebenso einmalig, da nicht alltäglich, war dann auch das, was uns oben erwartete: Baustelle!
Im Vorfeld war durchaus bekannt gewesen, dass die Parkanlage neu gestaltet würde. Der lange Winter hat die Arbeiten aber lange ruhen lassen, und so durfte der Hauptweg leider nicht verlassen werden, um die Fahrzeuge schön aufzustellen. Zudem waren die neuen Fußwege nicht zu betreten. Von diesem Zustand waren selbst die Organisatoren und deren Helfer überrascht. Das ließ unsere gute Laune allerdings nicht trüben, und zahlreiche Leute, die vorbeikamen, freuten sich, unsere Fahrzeuge zu sehen. Das war ja auch was wert!
Und diejenigen, die nicht per Auto gefahren waren? Sie wurden in einem historischen Elektrotriebwagen aus den 50er Jahren der ältesten Zahnradbahn Deutschlands, der Drachenfelsbahn, nach oben gebracht. Diese Zahnradbahn überwindet bis zum Gipfel 220 Höhenmeter bei einer Steigung von bis zu 20 Prozent!
Zurück in Königswinter wartete noch ein besonderes Spektakel auf uns: ein geschlossener Fahrzeugkonvoi durch die Altstadt mit Polizeieskorte!
Danach ging es, bei strahlendem Sonnenschein, wieder durch bezaubernde Landschaft und über kurvenreiche Straßen zurück zum Hotel, wo die Fahrzeuge verstaut wurden. Einige von ihnen fanden ihren Platz in einer Reithalle, die man von der Hotelbar aus gut einsehen konnte.
Schnell frisch gemacht, in festliches Gewand geschlüpft, und schon war es wieder da, dieses Gefühl, bei einem Clubtreffen von vor 25, ja sogar eben 35 Jahren dabei zu sein. Alles war so, wie es damals üblich war und bei heutigen Treffen fast nicht mehr stattfindet: ein dsamstägliches, mehrgängiges Galadinner mit Lifemusik und Tanz. Dazu kamen noch die alten Gesichter, die man seit Jahrzehnten stets gerne wieder sieht.
Zwischen den Gängen gab es, durch einzelne Clubmitglieder gestaltete Zwischeneinlagen, wie eine Geburtstagsansprache, einen Abriss über die Historie der German Section (einst Sektion Germany) und die obligatorische Preisverleihung für die schönsten Fahrzeuge beider Marken, die weiteste Anreise, etc.
Nach dem Dessert wurde zu Oldies und Goldies das Tanzbein eifrig geschwungen, bis die Füße tobten und die Bar rief.
So endete für manches Clubmitglied ein wunderschöner Tag erst am Nächsten Morgen.
An jenem, es war leider schon Sonntag und für fast alle Abreisetag, gab es noch eine kleine Filmvorführung. Der Film zeigte Szenen vom Herbstreffen 1985 in Köln, gewürzt mit lustigen Kommentaren unseres Ehrenpräsidenten, der über viele Jahre die Geschicke unserer Sektion geleitet hatte. Die „Alten“ unter uns haben sich gerne an diese Zeit erinnert, und die „Neuen“ bekamen einen schönen Einblick in unser Clubleben von einst.
Bei diesem so liebevoll gestalteten Frühjahrstreffen in Windhagen bei Bonn, zum 35-jährigen Bestehen unserer Sektion, durften wir im Film und in Wirklichkeit spüren und erleben, wie es in der Jugendzeit unseres Clubs so war. Es war wirklich so wie früher!
Noch mehr Bilder gibt es in einer riesigen Bildergalerie im Mitgliederbereich, unter der dortigen Rubrik "Vergangene Events 2010"!
Text & Fotos: Michael Ehrhardt